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#Ehrenamt

Im DFB-Club der 100: Mario Heymann nimmt sogar Urlaub für das Kinderfest

Von Hartmut Gerlach (Mitglied des Ehrenrates)

Unter den vier Thüringern, die in diesem Jahr in den DFB-Club der 100 aufgenommen wurden – Klaus Huscher (noch 76 Jahre), Dieter Legler (70) und Peter Zoldhahn (66) – ist Mario Heymann der jüngste Funktionär. Er ist 55 Jahre. Doch das hat eigentlich keine Aussagekraft und ändert an der langen Funktionärslaufbahn des Mannes vom SC 06 Oberlind nichts. Denn der gebürtige Oberlinder, der bei Kaeser Coburg seit einem Vierteljahrhundert als Monteur für Spezialanlagen sein Geld verdient, ist dem Ehrenamt seit 1990 „verfallen“.

Aber neben diesen immerhin schon 36 Jahren, in denen er mit verschiedenen Vereinsaufgaben betraut ist, ist eine andere Zahl sicher nicht unwichtig. Ab dem 6. Lebensjahr, also vor fast 50 Jahren, trat Mario in den SC 06 Oberlind ein, Die Gegend gehört als Stadtteil zu Sonneberg.

Hier hat er den kompletten Nachwuchs als Torhüter durchlaufen. Doch dann wurde ihm klar, dass er vielleicht ein besserer Trainer als ein Fußballer sein könnte. Und da jemand bei den Nullsechsern gefehlt hat, übernahm Heymann 1992 die C-Junioren. 

Doch damit war längst noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. 1992 wurde er auch Trainer der Frauenmannschaft, die er mit gegründet hat. Und im Jahre 2000, da kannte er seine Frau und den Stiefsohn, der auch ein sehr guter Fußballer war – dazu an anderer Stelle mehr – schon, fand er, parallel zu den Frauen, Gefallen an der E-Jugend des Vereins.

Mit der Frauenvertretung ging es Schritt für Schritt nach oben. 2000 gehörte der SC zu den Teams der dreistaffelligen Landesklasse in Thüringen und später für drei Jahre zur Verbandsliga. Gern erinnert sich Mario an die Highlights mit den Frauen: Die zweimaligen freundschaftlichen Vergleiche mit Turbine Potsdam und das Match gegen den FFC Frankfurt mit vielen Nationalspielerinnen sind ihm in sehr guter Erinnerung geblieben. 

Es dauerte immerhin bis zum Jahr 2022, ehe Marion Heymann seinen Abschied von den Frauen nahm. Das dreigleisige Wirken als Nachwuchsleiter sowie die Trainertätigkeit von zwei Mannschaften waren einfach zu viel. Zumal der Sohn zum Sportgymnasium nach Erfurt wechselte und bei Rot-Weiß spielte. Das war ab 2008 mit einem erhöhtem Fahrtaufwand verbunden, wobei er mit seiner Frau auch manches Heimspiel des Filius’ gesehen hat. 

„Das war dann schon grenzwertig und ich frage mich, wie ich das alles geschafft habe. Aber es ging offensichtlich“, sagt Mario schmunzelnd.

Auch die weiteren Wechsel nach Hannover und Dresden des Sohnes begleitete das Ehepaar Heymann. Zwei Kreuzbandrisse beendeten die Karriere des jungen Mannes. Erfreulich, dass er nebst Partnerin nun wieder hierher zieht. Mario Heymann könnte sich gut vorstellen, dass der frühere Schlussmann, der jetzt 32 und Vater einer Tochter ist, einmal als Torwarttrainer in Oberlind startet.

Als er seine Nachwuchskids abgab, wartete 2004 bereits eine neue Aufgabe auf ihn – die eines Jugendleiters. Dass er damit zum Vorstand gehörte, versteht sich von selbst. Diesen Schritt tat er 2016. Die beruflichen Kontakte seiner Frau sorgten auch dafür, dass er zeitweise behinderte Menschen trainierte.

Und als vor sechs Jahren wieder eine Jugendmannschaft keinen zweiten Trainer hatte, erklärte sich Mario bereit, diesen Part zu übernehmen, Mittlerweile sind die Jungs B-Junioren. Sie will er gern bis zum A-Junioren-Jahrgang betreuen. „Aber dann ist es definitiv vorbei mit meiner Tätigkeit als Trainer“, sagt er.

Natürlich darf die obligatorische Frage, warum er Ehrenamtler ist, nicht fehlen. Hier die Antwort von Mario Heymann: „Mein Vater hat mich von Kindesbeinen an zum Fußball mitgenommen. Unser Leben hat sich nur um diese Sportart gedreht. Da ist man irgendwie hinein gewachsen. Außerdem bin ich der Typ, der nicht nein sagen kann. Aber es macht mir Spaß und ich habe viel Freude am Ehrenamt. Natürlich haben sich die Prioritäten in den 30 Jahren meiner Trainerarbeit verschoben. Aber man gewinnt oder verliert zusammen und blickt auf zahlreiche Höhepunkte. Doch die Kinder und Jugendlichen geben dir viel zurück.“

Dass neben dem eigenen Haus, das der Großeltern, die auch Unterstützung brauchen, und dem Fußball keine Zeit mehr für ein anderes Hobby bleibt, ist fast selbstverständlich. Er wohnt seit nicht ganz 27 Jahren gerade mal zehn Kilometer von Oberlind entfernt in Mengersgereuth-Hämmern. Da braucht man mit dem Auto nicht lange.

Steffen Haupt, der 1. Vorsitzende, den Mario Heymann besonders hervorhebt, begründet die Einreichung seines Jugendleiters für den DFB-Ehrenamtspreis so: „Er engagiert sich in vielen Funktionen mit großem Herzblut und unermüdlichem Einsatz. Seine innovativen Ideen machen ihn zu einem unverzichtbaren Dreh – und Angelpunkt im Verein. Ein Anruf und Mario Heymann steht sofort zur Verfügung. Er ist eine inspirierende Persönlichkeit, der den Verein durch sein Engagement und seine Leidenschaft maßgeblich prägt.“

Dass die Heymanns sogar Urlaub nehmen, um ihre berühmte Tombola zum Kinderfest am 5. Juli mit 1000 Preisen vorzubereiten, zeigt einmal mehr, dass der richtige Mann in den DFB-Club der 100 aufgenommen wurde. Und das unabhängig vom Alter.